FORMEN DER DEMENZ

Demenz ist der Oberbegriff für verschiedene Krankheitsbilder, die mit einem andauernden oder fortschreitenden Verlust von kognitiven – also geistigen – Fähigkeiten einhergehen. Für einige Demenzerkrankungen lassen sich, bedingt durch eine typische umschriebene Zerstörung bestimmter Teile des Gehirns, einige kennzeichnende Störungen und zeitliche Verläufe beschreiben.

So ist für die Alzheimer Demenz, die bei etwa 60 % aller Menschen mit Demenz diagnostiziert wird, typisch, dass die ursprüngliche Persönlichkeit – die Fassade – lange erhalten bleibt. Im Vordergrund stehen Störungen des episodischen, biografischen Gedächtnisses, wobei frische Ereignisse besonders schnell vergessen werden, ältere dagegen länger in der Erinnerung erhalten bleiben. Das semantische Gedächtnis, das „der Speicher für unser erlerntes Wissen“, wird erst im Verlauf der Erkrankung deutlich beeinträchtigt. Der Abbau aller Gedächtnisleistungen und anderer kognitiver Funktionen verläuft gleichmäßig, ohne plötzliche Verschlechterungen oder Besserungen.

Die Frontotemporale Demenz entwickelt sich durch fortschreitendes Absterben von Nervenzellen im vorderen Hirnbereich, also dort, wo Persönlichkeitsmerkmale, Einfühlungsvermögen und soziales Verhalten gesteuert werden. Diese Erkrankung ist verantwortlich für etwa 15 % aller Demenzen und tritt überwiegend vor dem sechzigsten Lebensjahr auf. Im Vordergrund der Symptomatik steht eine tiefgreifende Veränderung der Persönlichkeit mit Interessenverlust, Antriebsmangel, Gefühlskälte, starken Stimmungsschwankungen und erheblichen Störungen des sozialen Verhaltens, sowie fehlender Krankheitseinsicht. Gedächtnisstörungen betreffen eher das semantische Gedächtnis – das Wissen – und entwickeln sich erst im Verlauf der Erkrankung, was oft zu falschen Diagnosen, z. B. Alkoholabhängigkeit, führt.

Die Lewy-Körperchen-Demenz ist für 10-15 % aller Demenzen verantwortlich. Aus noch unbekannten Gründen bilden sich aus dem inneren Gerüst der Nervenzellen kleine Einschlusskörperchen, die störend auf die Funktionen der Zellen wirken. Anders als bei der Parkinsonschen Krankheit werden sie nicht nur in bestimmten, sehr kleinen Bereichen des Gehirns vorgefunden, sondern verteilen sich diffus über das gesamte Gehirn. Kennzeichnend für diese Demenzform sind fortschreitende, jedoch stark im Tagesverlauf schwankende Störungen des Gedächtnisses, der Orientierung, der Sprache, eine leichte Parkinson-Symptomatik mit Gangstörungen und Sturzneigung und häufig ausgeprägte optische Halluzinationen, Wahnvorstellungen und Depressionen.

Die vaskuläre Demenz entwickelt sich bei einer Störung der Blutversorgung der Nervenzellen. An dieser Demenzform leiden etwa 10-20 % aller Demenzkranken. Durch die zufällige Verteilung der unzureichend durchbluteten Bereiche im Gehirn sind die Krankheitsbilder und Krankheitsverläufe sehr unterschiedlich. Typisch sind lediglich sprunghafte Veränderungen der kognitiven Leistungen, mit plötzlicher Verschlechterung – als Folge der Durchblutungsstörung – längeren stabilen Perioden – zeitweise sogar mit leichter Besserung – und dann erneuten Einbrüchen. Erkrankte mit vaskulärer Demenz neigen zu Depressionen und starken Stimmungsschwankungen mit plötzlichem, unkontrolliertem Weinen und haben meistens auch ausgeprägte neurologische Störungen, wie Lähmungen, Sprachstörungen oder Missempfindungen und Schmerzen.

Der Verlauf einer jeden Demenzerkrankung wird durch begleitende Erkrankungen, die soziale Situation des Kranken, seine primäre Persönlichkeitsstruktur, Ernährungs- und Lebensgewohnheiten, frühere und aktuelle körperliche und geistige Aktivitäten, das Ausmaß der zerebralen Durchblutungsstörungen und vielen anderen Faktoren beeinflusst und variiert stark von Person zu Person. Jeder Mensch mit Demenz ist eine individuelle Persönlichkeit und möchte als solche wahrgenommen werden. Deshalb kann es keine allgemeingültigen Empfehlungen für eine gute Begleitung geben.